11/23/2020 | compact aktuell |

Digitalisierung ja – sofern sie funktioniert

PraxisBarometer 2020 zur Digitalisierung

Das Interesse an Digitalisierung ist in den meisten Praxen vorhanden – vorausgesetzt, der Mehrwert der Digitalisierung ist klar erkennbar. Fehler in der technischen Umsetzung sorgen für Skepsis und mindern das Vertrauen bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten.

Dieses Fazit ergibt sich aus dem PraxisBarometer 2020, einer Studie des IGES-Instituts im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). An der Online-Befragung haben 2.193 Vertragsärzte und Psychotherapeuten teilgenommen. Untersucht wurde bei der Studie der Verbreitungsgrad digitaler Anwendungen, die wahrgenommenen Chancen und Risiken bei der Digitalisierung sowie die Erfahrungen mit Videosprechstunden und der Telematik-Infrastruktur.

Alarmierende Fehleranfälligkeit der TI

Als größte Hürde der Digitalisierung nennen über 80 Prozent der Befragten die Fehleranfälligkeit der EDV-Systeme. Ein knappes Drittel der Praxen hat jeden Monat mit technischen Fehlern in der Telematikinfrastruktur (TI) zu kämpfen. Bei einem weiteren Drittel treten wöchentlich TI-Probleme auf – bei jeder zehnten Praxis sogar täglich. Besonders bedenklich ist diese Fehlerquote vor dem Hintergrund, dass ab 2021 die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen digital an die Krankenkassen übermittelt werden sollen. Jeden Tag stellen die Niedergelassenen im Schnitt 300.000 aus.

Videosprechstunden kein Universalmittel

Inzwischen bieten fast 40 Prozent der Arztpraxen Videosprechstunden an – das sind rund 40.000 Praxen. Über 60 Prozent der Befragten halten die Videosprechstunde für ein geeignetes Mittel zur Anamnese, für Arzt-Patienten-Gespräche ohne Untersuchung sowie zum Besprechen von Untersuchungsergebnissen. Doch nur 16 Prozent glauben, dass sich eine Videosprechstunde zur Diagnosestellung und weiteren Veranlassung eignet. Zudem lehnt über die Hälfte der Praxen Telebehandlungen bei Patienten ab, die sie nicht zuvor persönlich gesehen haben. Ein Viertel der Praxen hält sie für sinnvoll bei bekannten Patientinnen und Patienten.

Mehr zum Praxisbarometer der KBV: https://www.kbv.de/html/praxisbarometer.php

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